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„Nachhaltigkeit ist ein Trend, dem man sich nicht verschließen kann“

Nachhaltigkeit ist im Alltag längst angekommen. Immer mehr Menschen achten darauf, nachhaltig einzukaufen, zu wohnen und unterwegs zu sein. Der Markt hat auf die gestiegene Nachfrage reagiert und entsprechende Angebote bereitgestellt. Doch Nachhaltigkeit umfasst weitaus mehr als nur die ökologische Sichtweise. Auch in der Finanz- und Versicherungswelt beschäftigen sich Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit. Arend Arends, Vorstandsvorsitzender der NV-Versicherungen, über das Thema Nachhaltigkeit in der Sachversicherung. 

Herr Arends, Nachhaltigkeit zieht sich mittlerweile als Megatrend durch alle Branchen. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe dafür? 

Arends: Die Menschen werden immer mehr sensibilisiert für einen nachhaltigen Konsum. Steigende Energiepreise, wiederkehrende Extremwetterlagen – die Menschen merken, dass sie selbst einen nachhaltigen Beitrag leisten können. Zumeist geht es dann aber überwiegend um den ökologischen Aspekt, da dieser am ehesten vom Kunden nachvollzogen werden kann. 

Neben dem ökologischen Aspekt – um was geht es denn noch? 

Arends: Nachhaltigkeit setzt sich ja grundsätzlich aus drei Säulen zusammen. Neben dem ökologischen Aspekt, müssen auch der ökonomische und soziale Faktor mit berücksichtigt werden. Auf Unternehmensebene bedeutet dies, dass ein Unternehmen wirtschaftlich nachhaltig agieren sowie eine gesunde Unternehmenskultur pflegen sollte. 

Auch Sie haben grüne Produkte im Produkt-Portfolio. Wie gehen Sie als Versicherungsunternehmen grundsätzlich mit dem Thema Nachhaltigkeit um? 

Arends: Wir merken zum einen, dass viele Konsumenten sich immer mehr für sogenannte grüne Finanz- und Versicherungsprodukte interessieren. Das ist ein Trend, dem man sich nicht verschließen kann. Für uns war Nachhaltigkeit zum anderen schon immer eine Selbstverständlichkeit, da wir seit nun fast 200 Jahren direkt an der Nordsee arbeiten. Das heißt, dass wir Klimaveränderungen direkt mitbekommen. Deiche schützen uns. Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit sind wir nur unseren Mitgliedern gegenüber verpflichtet und verfolgen somit den nachhaltigen Grundgedanken seit unserer Gründung. 

Was sind die Herausforderungen für Versicherer im Umgang mit grünen Produkten? 

Arends: Wie Sie schon mit den Wörtern „grüne Produkte“ aussagen, möchte der Konsument auch einen klaren Mehrwert aufgezeigt bekommen. Das bekommt er zum großen Teil durch den grünen, also den ökologischen Aspekt. Wird ein Baum gepflanzt und kann dieses transparent nachgewiesen werden, dann kennt der Kunde den Mehrwert bei einem grünen Versicherungsprodukt. Aber auch bei grünen Produkten geht es in der Regel um mehr als nur den ökologischen Aspekt. 

Das heißt? 

Arends: Die große Gefahr ist es, dass grüne Finanz- oder Versicherungsprodukte lediglich einen grünen Anstrich bekommen. Die Kunden merken das schnell. Bei unseren grünen Produkten geht es aber vor allem darum, dass das gesamte Beitragsaufkommen und nicht nur ein Teil aus diesen grünen Produkten in nachhaltige Kapitalanlagen investiert wird. Das bedeutet, dass wir sicherstellen, dass dieses Kapital ausschließlich in Anlagen fließt, bei denen wir wissen, dass definierte Negativkriterien ausgeschlossen und ökologische und soziale Belange berücksichtigt werden. Das ist der tatsächliche nachhaltige Mehrwert für den Kunden. Daneben beteiligen wir uns an den Mehrkosten für die Wiederbeschaffung über nachhaltige Unternehmen bzw. an den Mehrkosten für die Wiederbeschaffung von nachhaltigen Geräten. 

Wie denken Sie, wird sich das Thema Nachhaltigkeit in den nächsten Jahren in der Finanz- und Versicherungsbranche entwickeln? 

Arends: Aus meiner Sicht wird Nachhaltigkeit ein wesentlicher Bestandteil der Branche werden. Große Unternehmen in Deutschland – egal in welcher Branche – müssen sich schon seit längerem mit Nachhaltigkeitsberichterstattung beschäftigen, in der nichtfinanzielle Aspekte wie Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange eine wichtige Rolle spielen. Auch mittelständische Unternehmen versuchen mehr und mehr, nachhaltige Aspekte in ihre Unternehmensphilosophie mit aufzunehmen. Ist dieser Schritt vollzogen und steigt die Nachfrage, wird das nachhaltige Produkt-Portfolio in der Branche weiter wachsen. 

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